Der Dom von Florenz
und seine
weltberühmte Kuppel

 

Inhaltsübersicht:

1.    Allgemeines

2.    Geschichte des Baus

3.    Bau der Kuppel

 

 

Allgemeines:

Der Florentiner Dom ist auf die Länge seines Längsschiffs bezogen nach dem Petersdom im Vatikan, Saint Paul`s Cathedral in London und dem Mailänder Dom die viertgrößte Kirche in Europa. Man kann ihn in drei Bauten unterteilen, die jeweils von drei verschiedenen Architekten konstruiert wurden, nämlich das Längsschiff, den Glockenturm und die weltberühmte Kuppel.

 

 

 

 

 

 

Geschichte des Baus:

Die neue Kathedrale sollte an die Stelle der alten verfallenen Kirche Santa Reparata erbaut werden und für die Bevölkerung stand fest, das der zukünftige Dom eines der größten und prächtigsten Gotteshäuser der Christenheit werden sollte. Jedoch stand bei dem Beschluss zum Bau der religiöse Glaube nicht im Vordergrund. Eine erheblich größere Rolle spielte hierbei der Bürgerstolz. Die Bevölkerung hatte sich vorgenommen, alle anderen bereits existierenden Gotteshäuser in der Toskana mit diesem Dom zu übertreffen.

Als erstes wurde das Hauptgebäude nach den Plänen von Arnolfo di Cambio im Jahre 1294 errichtet. Begonnen wurde mit der Westfassade. Als di Cambio starb, wurden die Arbeiten vorerst unterbrochen und die Ressourcen zunächst zum Bau der dritten Stadtmauer und zur Errichtung des Palazzo Vecchio genutzt. Einige Jahre später hat Bondone di Giotto im Alter von 68 Jahren die Führung des Dombaus übernommen. Dieser richtete seine gesamte Energie auf den Glockenturm, den Campanile. Denn der Dom wäre ohnehin in kurzer Zeit nicht fertigzustellen gewesen und Giotto wollte Florenz somit ein alles überragendes Wahrzeichen schenken. Laut seinen Plänen sollte der Glockenturm insgesamt 115 m hoch werden. Aber nach seinem Tod war erst das erste Geschoss fertiggestellt. Und Andrea Pisana und Francesco Talenti beendeten den Bau mit einigen Änderungen (Höhe: 85m).

Ab 1330 übernahm die Wollweberzucht die Verantwortung für den Dombau, denn sie war die wohlhabendste und einflussreichste Zunft der Stadt und konnte dementsprechend große Geldmengen in den Dombau investieren. Während der Zeit des Dombaus hatte die Stadt an Einwohnern (Ende des 14. Jahrhunderts: 50.000 Einwohner, etwa so viele wie London zu dieser Zeit) und an Reichtum gewonnen. Diesen Wohlstand hat die Stadt der Wollindustrie zu verdanken. Es wurde Wolle aus England geliefert und in Florenz gesponnen, gewaschen und gefärbt. Durch diesen Reichtum erlebte Florenz einen Bauboom und neben dem Dom wurden noch zahlreiche andere Kirchen, Paläste und Klöster errichtet.

   

Bau der Kuppel:

Im Jahre 1417 wagte man sich schließlich an die große Herausforderung heran, die Kuppel des Doms zu bauen. Die Pläne wurden nochmals erneuert und die Kuppel sollte nun in Form eines Achtecks noch riesiger werden als zuvor.

Es schien den meisten zeitgenössischen Architekten unmöglich, diese Kuppel, wie sie auf Plänen von Arnolfo di Cambio gezeichnet war, in die Realität umzusetzen. Und es wurden verschiedene Vorschläge eingeholt und wie in einem Wettbewerb ausgewertet. Einer dieser Vorschläge bestand darin, die Kuppel mit Strebepfeilern und Strebeblöcken zu stützen, weil man so die Möglichkeit hatte, eine Vielzahl von Fenstern einzubauen. Diese zählten allerdings zu den wichtigsten Merkmalen der gotischen Architektur und wurden von den italienischen Architekten als hässlichen und plumpen Notbehelf angesehen. Da diese Bauweise war in Italien unüblich war, entschloss man sich für das Modell des Filippo Brunelleschi. Dieser war eigentlich gelernter Goldschmied und Uhrmacher, aber er absolvierte auch ein Studium der römischen Baumethoden. Somit lieferte er die überzeugendste Idee: Er konstruierte als erster eine doppelschalige Kuppel, was eine völlig neue Bauart darstellte. Sie sollte aus einer äußeren, und einer inneren Schale bestehen. Die Äußere diente zum einen als Regenschutz und zum anderen sollte sie die gesamte Kuppel größer und aufgeblasen erscheinen lassen.   

  Risszeichnung         

 

Außerdem entwickelte Brunelleschi eine Mauertechnik, die es ermöglichte, die Kuppel selbsttragend einzuwölben. Dieses Vorhaben war mit einem großen Risiko verbunden, denn die Kuppel wurde ohne feststehende Rüstung errichtet, sondern Ring für Ring mit Ziegeln aufgemauert. Welch großer Aufwand dahinter steckte kann man sich gut vorstellen, wenn man weiß, dass in der Kuppeldecke insgesamt 4.000.000 Ziegel verarbeitet sind, wobei es sich bei jeder Ziegel um ein Unikat handelt, denn jede  musste einzeln verarbeitet werden, damit sie in die Form eines Oktagons passte. Also mussten zunächst Unmengen von Ziegelschablonen vom Fassbinder hergestellt werden, die dann in Ziegeleien gebracht wurden, wo man sie anschließend goss und brannte. Weil der Ofen eine Temperatur von 1.000°C betrug, mussten die Ziegel zwei Wochen stehen, bis sie endlich geschliffen werden konnten. So wird langsam deutlich, wie diese scheinbar lange Zeit von 14 Jahren, die allein zum Bau der Kuppel benötigt wurde, zustande kam.

Aus organisatorischen Gründen verzichtete Brunelleschi darauf, ein Gerüst vom Boden bis zur Kuppel zu bauen. Zum einen fehlte es an langen Baumstämmen und zum anderen wäre es viel zu teuer und zu umständlich gewesen, so viele Baumstämme in den Dom zu transportieren. So entschied man sich für ein frei schwebendes Gerüst, d.h. dieses wurde am fertiggestellten Ziegelkranz an der Innenkuppel befestigt. Wie man sich leicht vorstellen kann, war es äußerst gefährlich, in einer Höhe von fast 100 m auf einem wackeligen Gerüst Ziegelsteine zu mauern. Dennoch sind in dieser langen Zeit nur zwei Arbeiter zu Tode gekommen. Aber die für den Bau zuständige Bauhütte, Opera del Duomo , sorgte sich schlecht  um ihre 300 Angestellten: Die Männer wurden schlecht bezahlt, die Arbeit war sehr gefährlich  und die täglichen Arbeitsstunden waren sehr viel. Musste die Arbeit aufgrund schlechten Wetters unterbrochen werden, so blieben die Handwerker ohne Lohn. Auch im Krankheitsfall bekamen sie keine Unterstützung von der Opera del Duomo.

Außerdem war es den Handwerkern untersagt, das Gerüst zur Mittagspause zu verlassen, obgleich die Sonne vom Himmel brannte. Auf diese Weise sollte Faulenzern ein Riegel vorgeschoben werden.

 

Sarah Heidler